Rotlichttherapie Ratgeber
Grundlagen & Wissen

Rotlichttherapie Brille – braucht man Augenschutz?

Braucht man bei der Rotlichttherapie eine Schutzbrille? Dieser Guide erklärt, wann Augenschutz Pflicht ist, wann er optional bleibt und welche Brille wirklich schützt.

17. Februar 2026~9 Min. Lesezeit

Wer zum ersten Mal ein Rotlichtpanel aufstellt, steht schnell vor einer praktischen Frage: Muss ich meine Augen schützen – und wenn ja, wie? Manche Hersteller legen eine Schutzbrille bei, andere nicht. Im Internet kursieren sowohl Warnungen vor schweren Augenschäden als auch Aussagen, rotes Licht sei völlig harmlos für die Augen.

Die Wahrheit liegt differenziert in der Mitte – und hängt von drei Faktoren ab: der Lichtintensität des Panels, dem Abstand zum Gerät und der Wellenlänge. Dieser Artikel erklärt dir, was bei der Rotlichttherapie tatsächlich mit deinen Augen passiert, wann du eine Schutzbrille wirklich brauchst und welche Art von Brille dabei wirklich schützt.

Was passiert im Auge bei Rotlicht- und NIR-Exposition?

Um die Frage nach dem Augenschutz zu beantworten, muss man zunächst verstehen, wie das Auge auf verschiedene Lichttypen reagiert.

Rotes Licht (660 nm) und das Auge

Sichtbares rotes Licht im Bereich von 630–700 nm löst beim Auge einen natürlichen Schutzreflex aus: Du siehst das Licht, es blendet, und du wendest den Blick ab oder kneifst die Augen zusammen. Dieser Reflex schützt die Netzhaut in vielen Alltagssituationen zuverlässig.

Interessanterweise zeigen Studien, dass therapeutische Dosierungen von rotem Licht die Netzhaut nicht schädigen, sondern ihr sogar nützen können. Shinhmar et al. (2020) in den Journals of Gerontology zeigten, dass kurzzeitige Belichtung mit 670 nm Rotlicht die Funktion der Zapfenzellen in der Netzhaut verbessern kann. Die Forscher betonen jedoch ausdrücklich: Diese Wirkung tritt bei kontrollierten, kurzen Belichtungszeiten auf – nicht bei unkontrolliertem Direktblick in Hochleistungs-LEDs.

Nahinfrarot (850 nm) und der fehlende Schutzreflex

Hier liegt das eigentliche Sicherheitsproblem. Nahinfrarotes Licht bei 850 nm ist für das menschliche Auge unsichtbar oder erscheint allenfalls als schwaches, kaum wahrnehmbares Glimmen. Das bedeutet: Es wird kein Schutzreflex ausgelöst.

Die Energie des NIR-Lichts trifft trotzdem auf die Netzhaut – ohne dass du es bemerkst, ohne dass du den Blick abwendest. Bei intensiven Panels aus kurzer Distanz kann dies über Zeit zu thermischen Schäden an der Netzhaut führen. Diese Schäden sind oft irreversibel und zeigen sich manchmal erst nach wiederholter Exposition.

Das ist kein Grund zur Panik – aber ein sehr guter Grund, den Augenschutz bei der Rotlichttherapie nicht zu unterschätzen. Mehr zur Biologie von 660 nm und 850 nm findest du im Artikel 660nm vs 850nm Wellenlänge.

Wann ist Augenschutz bei der Rotlichttherapie Pflicht?

Es gibt klare Situationen, in denen eine Rotlichttherapie Schutzbrille nicht optional, sondern notwendig ist.

Direkter Blick in das Panel

Wenn du direkt vor einem Panel stehst oder sitzt und das Gerät auf Augen- oder Kopfhöhe ausgerichtet ist, ist Augenschutz Pflicht. Selbst wenn du nicht aktiv in das Panel schaust: Beim Blinzeln, bei kurzen Blicken oder bei Unaufmerksamkeit trifft die intensive Strahlung – vor allem das NIR – die Netzhaut.

Hochleistungspanels mit mehr als 100 Watt

Je leistungsstärker das Panel, desto höher die Energiedichte (gemessen in mW/cm²). Professionelle Panels mit 100 Watt und mehr erzeugen in kurzer Distanz eine Bestrahlungsstärke, die ohne Schutz bei direktem Blickkontakt schnell im riskanten Bereich liegt. Die Hersteller dieser Geräte schreiben Augenschutz in der Regel ausdrücklich vor.

Nahfeld-Anwendung unter 30 cm Abstand

Im engen Abstand von unter 30 cm steigt die Intensität erheblich. Wer ein kleineres Panel nah am Gesicht anwendet – etwa für Hautpflege oder Anti-Aging – sollte immer eine Schutzbrille tragen. Empfehlungen zum richtigen Abstand je nach Anwendungsziel findest du im Artikel Wie weit vom Panel entfernt stehen?.

Regelmäßige Ganzkörpersitzungen

Wer täglich oder mehrmals wöchentlich Ganzkörpersitzungen durchführt, summiert eine erhebliche Lichtexposition über Wochen und Monate. Selbst wenn jede einzelne Sitzung unbedenklich erscheint, ist kumulativer Schaden durch wiederholten, ungeschützten Blick in das Panel eine reale Möglichkeit. Für die regelmäßige Anwenderinnen und Anwender ist die Brille ein Muss.

Wann kann man auf Augenschutz verzichten?

Es gibt Situationen, in denen das Risiko deutlich geringer ist und ein Verzicht auf Augenschutz vertretbar, wenn auch nicht ideal, erscheint.

Rücken- und Körperanwendung ohne Sichtkontakt

Wenn das Panel auf Rücken, Beine oder Bauch ausgerichtet ist und du mit dem Gesicht vom Gerät abgewandt bist, ist das direkte Risiko minimal. In dieser Position trifft kein Direktlicht auf die Augen. Das Streulicht im Raum ist bei normalen Wohnraumverhältnissen nicht stark genug, um Schäden zu verursachen.

Augen geschlossen im ausreichenden Abstand

Geschlossene Augen reduzieren die Lichtdurchlässigkeit erheblich. Für rotes Licht (660 nm) bieten geschlossene Lider einen guten, wenn auch nicht vollständigen Schutz. Bei NIR (850 nm) ist die Schutzwirkung geringer, weil NIR tiefer in Gewebe eindringt und Lider weniger effektiv blockieren.

Als Faustregel gilt: Augen schließen aus einem Abstand von mehr als 50 cm ist bei moderaten Panels eine akzeptable Lösung für gelegentliche Sitzungen. Für reguläre Anwendung aus kurzer Distanz ist die Brille die sichere Wahl.

Indirekte Anwendung in ausreichendem Abstand

Wer das Panel in einem größeren Raum aufstellt und in erheblichem Abstand anwendet – etwa mit dem Panel auf Brusthöhe, während man auf dem Sofa sitzt und liest –, ist einer deutlich geringeren Bestrahlungsstärke ausgesetzt. In solchen Setups ist das Risiko für die Augen erheblich reduziert, wenn kein direkter Blick in das Panel erfolgt.

Die richtige Rotlichttherapie-Schutzbrille: Was du beachten musst

Nicht jede Brille, die als "Rotlichttherapie-Schutzbrille" vermarktet wird, bietet tatsächlich vollständigen Schutz. Hier ist, worauf du achten musst.

Was eine gute Schutzbrille leisten muss

Eine Rotlichttherapie Schutzbrille muss zwei Wellenlängenbereiche effektiv blockieren:

  • Sichtbares rotes Licht: 630–700 nm (der Bereich des therapeutischen Rotlichts)
  • Nahinfrarot: 800–950 nm (der NIR-Bereich, besonders 850 nm)

Das ist der entscheidende Unterschied zu normalen Sonnenbrillen. Eine Standard-Sonnenbrille aus dem Drogeriemarkt blockiert UV-Strahlung und sichtbares Licht – aber nicht NIR. NIR passiert getönte Gläser meist ungehindert. Eine günstige Sonnenbrille vermittelt bei NIR-Anwendung trügerische Sicherheit.

Typen von Schutzbrillen

Spezielle Rotlichttherapie-Goggles: Diese Brillen sind speziell für den Einsatz bei Rotlicht- und NIR-Panels entwickelt. Sie haben oft opake, vollständig lichtundurchlässige Gläser, die den gesamten therapeutischen Wellenlängenbereich blockieren. Kosten: 15 bis 35 Euro.

Laserschutzbrillen (Klasse 3R/3B): Professionelle Laserschutzbrillen können ebenfalls geeignet sein, wenn sie für den richtigen Wellenlängenbereich ausgelegt sind. Achte auf die Optische Dichte (OD) und den angegebenen Schutzbereich. Diese Brillen sind teurer (ab 30 Euro aufwärts), bieten aber oft höhere Schutzwerte.

Nicht geeignet: Normale Sonnenbrillen, Schwimmbrillen ohne Wellenlängenangabe, einfache Verdunklungsbrillen ohne NIR-Schutz.

Worauf du beim Kauf achten solltest

  • Der Wellenlängenschutzbereich muss explizit angegeben sein (mindestens 630–900 nm)
  • Optische Dichte (OD) von mindestens 4 oder 5 für den relevanten Bereich
  • Vollständig lichtdichter Sitz ohne Lichtspalt an den Rändern
  • Herstellerangaben oder Prüfzertifikate (z.B. CE-Kennzeichnung für medizinische Schutzbrille)

Eine günstige, gut abdeckende Rotlichttherapie-Schutzbrille ist für 15 bis 25 Euro erhältlich und damit die kostengünstigste Sicherheitsmaßnahme in der gesamten Anwendung.

Besondere Risikogruppen: Wer extra vorsichtig sein sollte

Für die meisten gesunden Erwachsenen reicht eine gute Schutzbrille plus gesunder Menschenverstand. Einige Gruppen sollten jedoch erhöhte Vorsicht walten lassen.

Menschen mit bestehenden Augenproblemen

Wer unter Makuladegeneration, Glaukom, Katarakt oder anderen Netzhauterkrankungen leidet, sollte vor der Nutzung eines Rotlichtpanels einen Augenarzt konsultieren. Ironischerweise zeigt die Forschung, dass niedrig-dosiertes rotes Licht bei einigen dieser Erkrankungen therapeutisch wirksam sein kann – aber diese Anwendungen erfordern ärztliche Begleitung und kontrollierte Dosierungen.

Personen mit lichtempfindlichen Medikamenten

Einige Medikamente erhöhen die allgemeine Lichtempfindlichkeit des Körpers, darunter bestimmte Antibiotika (Tetracycline), Retinoide und einige Antidepressiva. Ob diese Photosensibilisierung auch die Augenlichtempfindlichkeit betrifft, ist nicht vollständig erforscht. Sprich im Zweifel mit deinem Arzt. Weitere Details zu lichtempfindlichen Medikamenten findest du im Artikel zu Rotlichttherapie Nebenwirkungen.

Kinder und Jugendliche

Die Augenlinse von Kindern und Jugendlichen ist klarer und lässt mehr Licht passieren als die Augenlinse Erwachsener. Das macht junge Augen empfindlicher gegenüber intensivem Licht. Rotlichttherapie sollte bei Kindern grundsätzlich nur unter Aufsicht und mit konsequentem Augenschutz angewendet werden.

Praktische Empfehlungen für sichere Augenanwendung

Diese Regeln decken die häufigsten Anwendungsszenarien ab und lassen sich leicht in die tägliche Praxis integrieren.

Regel 1: Schutzbrille standardmäßig tragen. Mach es zur Gewohnheit, die Brille vor jeder Sitzung aufzusetzen – unabhängig davon, ob du glaubst, du schaust ins Panel oder nicht. Die Brille nimmt man auf, bevor man das Panel einschaltet, nicht danach.

Regel 2: Normale Sonnenbrillen nicht als Ersatz verwenden. Das gilt auch für dunkle, teure Designerbrillen. Ohne NIR-Schutzangabe ist keine Sonnenbrille für Rotlichttherapie geeignet.

Regel 3: Panel nicht auf Augenhöhe ausrichten, wenn du ohne Brille anwendest. Wenn du ausnahmsweise ohne Brille anwendest, richte das Panel so aus, dass dein Gesicht nicht im direkten Lichtstrahl liegt. Wende den Blick ab oder schließ die Augen.

Regel 4: Abstand zum Panel einhalten. Mit zunehmendem Abstand sinkt die Intensität quadratisch. Bei doppeltem Abstand ist die Bestrahlungsstärke auf ein Viertel reduziert. Das ist das einfachste Sicherheitsmittel, das keine zusätzlichen Kosten verursacht. Alle Empfehlungen zum richtigen Abstand findest du im Guide Wie weit vom Panel entfernt stehen?.

Regel 5: Keine dauerhaft direkte Betrachtung des eingeschalteten Panels. Auch mit Schutzbrille gilt: Das Panel ist kein Anschauungsobjekt. Sieh kurz nach, ob es korrekt ausgerichtet ist, und wende dann den Blick ab oder schließ die Augen.

Kann Rotlichttherapie den Augen sogar nützen?

Das ist die Frage, die viele überrascht. Ja – unter kontrollierten Bedingungen zeigen mehrere Studien, dass therapeutisches rotes Licht die Augengesundheit unterstützen kann.

Die bereits erwähnte Studie von Shinhmar et al. (2020) zeigte, dass eine kurze Belichtung mit 670 nm Rotlicht die Aktivität von Zapfenzellen verbesserte, die durch den natürlichen Alterungsprozess beeinträchtigt werden. Die Forscher der University College London sprechen von einer nicht-invasiven Möglichkeit, dem altersbedingten Rückgang der Sehfunktion entgegenzuwirken.

Weitere Forschungen untersuchen die Photobiomodulation bei Makuladegeneration und anderen neurodegenerativen Augenerkrankungen. Diese Anwendungen finden in klinischen Umgebungen mit präzise dosierten, speziell entwickelten Geräten statt – sie sind nicht auf die Heimanwendung mit Ganzkörperpanels übertragbar.

Das Fazit bleibt: Das Potenzial existiert, aber unkontrollierte Heimanwendung ohne Schutz ist keine Therapie – sondern ein unnötiges Risiko. Die Grenze zwischen therapeutischer Dosis und riskanter Überdosierung ist bei den Augen dünner als an anderen Körperstellen.

Fazit: Schutzbrille kaufen, einmal aufsetzen, fertig

Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist klar: Wer regelmäßig mit einem Rotlichttherapie-Panel arbeitet und das Gerät auf Körperhöhe oder Gesichtshöhe ausrichtet, braucht eine spezielle Schutzbrille. Die Kosten sind minimal, die Schutzwirkung ist real, und es gibt keinen vernünftigen Grund, diesen Schritt auszulassen.

Das Risiko ist nicht dramatisch und rechtfertigt keine Angst vor der Rotlichttherapie. Aber es ist reell genug, um die Anschaffung einer geeigneten Brille zur Grundausstattung zu zählen – genau wie ein Helm beim Fahrradfahren. Man hofft, ihn nie wirklich zu brauchen, aber man trägt ihn trotzdem.

Wenn du noch kein Panel besitzt und auf der Suche nach dem richtigen Gerät bist, hilft dir der ausführliche Rotlichttherapie Panel Kaufguide bei der Entscheidung. Dort findest du auch Hinweise, welche Panels eine Schutzbrille im Lieferumfang enthalten.

Häufig gestellte Fragen

Muss man bei der Rotlichttherapie eine Schutzbrille tragen?
Es kommt auf die Anwendung an. Wer direkt vor einem Hochleistungspanel steht und das Gerät auf Augenhöhe ausrichtet, sollte immer eine spezielle Rotlichttherapie-Schutzbrille tragen. Bei indirekter Anwendung (Panel zeigt auf Rücken oder Beine) und geschlossenen Augen ist das Risiko deutlich geringer – aber die Brille bleibt empfehlenswert.
Reicht eine normale Sonnenbrille als Augenschutz bei der Rotlichttherapie?
Nein. Normale Sonnenbrillen blockieren sichtbares Licht, aber kein nahinfrarotes Licht (NIR, 850 nm). Da NIR für das Auge unsichtbar ist und kein Schutzreflex ausgelöst wird, bietet eine Standard-Sonnenbrille keinen ausreichenden Schutz. Verwende ausschließlich Schutzbrillen, die explizit für Rotlichttherapie und NIR-Wellenlängen ausgelegt sind.
Kann man die Augen einfach schließen statt eine Brille zu tragen?
Geschlossene Augenlider reduzieren die Lichtmenge, die die Netzhaut erreicht – sie blockieren aber nicht das gesamte Licht, besonders bei intensiven Nahinfrarot-Wellenlängen. Für kurze, gelegentliche Sitzungen aus ausreichendem Abstand ist es eine akzeptable Notlösung, ersetzt aber keine spezielle Schutzbrille bei regulärer Anwendung nah am Panel.
Schadet Rotlichttherapie den Augen generell?
Nicht bei sachgemäßer Anwendung. Rotes Licht (660 nm) in therapeutischen Dosierungen kann die Funktion von Netzhautzellen sogar verbessern – das zeigen Studien wie jene von Shinhmar et al. (2020). Das Risiko entsteht durch direkten, ungeschützten Blick in leistungsstarke Panels aus kurzer Distanz, besonders durch das unsichtbare NIR-Licht (850 nm).
Was kostet eine gute Rotlichttherapie-Schutzbrille?
Qualitativ ausreichende Schutzbrillen für Rotlichttherapie sind für 15 bis 35 Euro erhältlich. Achte darauf, dass die Brille sowohl den sichtbaren Rotlichtbereich (630–700 nm) als auch den Nahinfrarotbereich (800–900 nm) blockiert. Günstige Modelle aus dem Wellnessbereich erfüllen diese Anforderungen oft nicht vollständig.

Weitere Artikel