Rotlichttherapie Ratgeber
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660nm vs. 850nm: Welche Wellenlänge ist besser für die Rotlichttherapie?

660nm (sichtbares Rot) und 850nm (Nahinfrarot) haben unterschiedliche Eindringtiefen und Wirkungen. Erfahren Sie, welche Wellenlänge für Ihre Ziele optimal ist.

17. Februar 2026~7 Min. Lesezeit

Wenn Sie sich zum ersten Mal mit der Rotlichttherapie beschäftigen, stoßen Sie zwangsläufig auf zwei Zahlen: 660nm und 850nm. Beide gelten als wissenschaftlich gut untersuchte Wellenlängen mit nachgewiesenen biologischen Wirkungen. Doch was genau unterscheidet sie voneinander, und welche ist für Ihre persönlichen Ziele die richtige Wahl? Dieser Artikel liefert eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Antwort.

Was sind Wellenlängen in der Rotlichttherapie?

Rotlichttherapie – auch bekannt als Photobiomodulation (PBM) – nutzt spezifische Lichtfrequenzen, um biologische Prozesse in den Zellen anzuregen. Die Wellenlänge bestimmt dabei, wie tief das Licht in das Gewebe eindringt und welche Strukturen es aktiviert.

Das therapeutisch relevante Spektrum liegt zwischen 600nm und 1000nm, dem sogenannten "therapeutischen Fenster". In diesem Bereich kann Licht biologisches Gewebe durchdringen, ohne nennenswert von Wasser absorbiert zu werden. Innerhalb dieses Fensters gelten 660nm und 850nm als die am besten untersuchten und klinisch relevantesten Wellenlängen.

Sichtbares Rotlicht: 660nm

660nm liegt im sichtbaren Spektrum und erscheint dem menschlichen Auge als leuchtendes, tiefes Rot. Diese Wellenlänge wird besonders effizient von der Haut und oberflächlichem Gewebe absorbiert.

Nahinfrarot: 850nm

850nm liegt im Nahinfrarot-Bereich (NIR) und ist für das menschliche Auge nicht sichtbar oder erscheint allenfalls als schwaches Glimmen. Da es von biologischem Gewebe weniger stark absorbiert wird, dringt es deutlich tiefer ein.

Wie tief dringt jede Wellenlänge ein?

Die Eindringtiefe ist der entscheidende praktische Unterschied zwischen den beiden Wellenlängen:

WellenlängeTypEindringtiefeZielgewebe
660nmSichtbares Rotca. 1–5 mmEpidermis, Dermis, Kapillaren
850nmNahinfrarot (NIR)ca. 20–40 mmMuskeln, Sehnen, Gelenke, Knochen

Diese Zahlen sind Richtwerte, die je nach Hauttyp, Pigmentierung und Körperstelle variieren können. Dunklere Haut absorbiert mehr Licht und reduziert die Eindringtiefe geringfügig.

Studie: Hamblin et al. (2016) in Photonics & Lasers in Medicine dokumentierten, dass Nahinfrarot-Licht im Bereich von 800–900nm signifikant tiefer in Gewebe eindringt als sichtbares rotes Licht, und damit strukturell verschiedene therapeutische Ziele adressiert.

Der gemeinsame Wirkmechanismus: Cytochrom-c-Oxidase

Trotz ihrer Unterschiede teilen 660nm und 850nm denselben primären Wirkungsmechanismus: Die Aktivierung von Cytochrom-c-Oxidase (CCO), einem Enzym in der Mitochondrienmembran. CCO ist das Herzstück der zellulären Energieproduktion.

Wenn CCO durch Licht aktiviert wird, produziert die Zelle mehr Adenosintriphosphat (ATP) – den universellen Energieträger des Körpers. Mehr ATP bedeutet mehr Energie für Reparaturprozesse, Entzündungsregulation und Zellwachstum.

Beide Wellenlängen aktivieren CCO, jedoch an unterschiedlichen Gewebetiefen. Das macht sie komplementär, nicht konkurrierend.

Biologische Wirkungen von 660nm (Rotes Licht)

Haut und Anti-Aging

660nm ist die am besten untersuchte Wellenlänge für Hautanwendungen. Es stimuliert Fibroblasten in der Dermis zur Produktion von Kollagen und Elastin – den strukturgebenden Proteinen der Haut.

Klinisch nachgewiesene Effekte bei 660nm:

  • Verbesserung der Hauttextur und Feuchtigkeit
  • Reduktion feiner Linien und oberflächlicher Falten
  • Beschleunigung der Wundheilung
  • Reduktion von Akne-Entzündungen
  • Verbesserung von Narbengewebe

Studie: Eine randomisierte kontrollierte Studie von Wunsch & Matuschka (2014) in Photomedicine and Laser Surgery zeigte, dass 30 Behandlungen mit 633nm und 830nm Licht die Hauttextur, Rauhigkeit und Kollagendichte signifikant verbesserten, verglichen mit der Placebo-Gruppe.

Wundheilung und Entzündungsregulation

Rotes Licht bei 660nm hat ausgeprägte entzündungshemmende Eigenschaften. Es moduliert Zytokine und fördert die Angiogenese – die Bildung neuer Blutgefäße – was die Durchblutung des geschädigten Gewebes verbessert.

Schleimhäute und oberflächliche Nerven

Da 660nm vorwiegend in den obersten Gewebeschichten wirkt, ist es besonders geeignet für oberflächlich verlaufende Nerven, Schleimhäute sowie Zahnfleisch und Mundgewebe.

Biologische Wirkungen von 850nm (Nahinfrarot)

Muskelregeneration und sportliche Leistung

850nm ist die bevorzugte Wellenlänge in der Sportmedizin. Da es tief in das Muskelgewebe eindringt, beschleunigt es die Regeneration nach intensivem Training und reduziert die muskuläre Erschöpfung.

Studie: Eine Meta-Analyse von Leal Junior et al. (2015) in Lasers in Medical Science analysierte 22 Studien zur Photobiomodulation und Muskelregeneration. NIR-Anwendungen zeigten konsistente Verbesserungen bei Kraftleistung, Ausdauer und Reduktion von Muskelkater (DOMS).

Praktische Anwendungsfelder im Sportbereich:

  • Reduktion von Muskelkater nach dem Training
  • Verbesserung der Kraftwerte und Ausdauerleistung
  • Schnellere Erholung zwischen Trainingseinheiten
  • Vorbeugung von Überlastungsverletzungen

Gelenke, Sehnen und Knorpel

Die Fähigkeit von 850nm, Gewebe in 20–40mm Tiefe zu erreichen, macht es besonders wertvoll für Gelenkentzündungen, Sehnenreizungen und Knorpelschäden. Kniegelenk, Schulter und Hüfte profitieren besonders von NIR-Anwendungen.

Studie: Eine systematische Übersichtsarbeit von Bjordal et al. (2003) in Physical Therapy Reviews zeigte, dass Low-Level-Lasertherapie im NIR-Bereich bei Gelenkarthritis und Tendinitis signifikante Schmerzreduktion und verbesserte Funktion bewirkt.

Nervenregeneration und chronischer Schmerz

Nahinfrarot-Licht zeigt in der Forschung vielversprechende Wirkungen auf das periphere und zentrale Nervensystem. Es wird in Studien zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, Fibromyalgie und sogar zur neuroprotektiven Therapie bei neurologischen Erkrankungen untersucht.

Knochen und tiefes Gewebe

Da 850nm auch kortikale Knochenschichten teilweise durchdringt, wird es in der Forschung zur Unterstützung der Knochenheilung nach Frakturen eingesetzt. Die erhöhte Zellaktivität in Osteoblasten verbessert die Knochendichte und Regenerationsrate.

660nm vs. 850nm im direkten Vergleich

Eigenschaft660nm (Rot)850nm (Nahinfrarot)
SichtbarJa, leuchtendes RotNein / kaum wahrnehmbar
Eindringtiefe1–5 mm20–40 mm
ZielgewebeHaut, Epidermis, DermisMuskeln, Sehnen, Gelenke, Knochen
HautpflegeSehr effektivWeniger direkt wirksam
MuskelregenerationBegrenzte TiefenwirkungSehr effektiv
GelenkentzündungenErgänzendPrimär empfohlen
WundheilungSehr effektivErgänzend
Neuropathischer SchmerzOberflächlichTief und systemisch
KollagenproduktionDirekte StimulationIndirekt über tiefere Schichten
Typische Anwendungszeit10–20 Minuten10–20 Minuten

Für welche Ziele ist welche Wellenlänge besser?

Hautpflege und Anti-Aging: 660nm

Wenn Ihr primäres Ziel die Verbesserung des Hautbilds, die Reduktion von Falten oder die Behandlung von Akne ist, ist 660nm die überlegene Wahl. Das sichtbare rote Licht wird in der Dermis direkt von den Fibroblasten aufgenommen und setzt dort gezielte Regenerationsprozesse in Gang.

Muskelkater und sportliche Regeneration: 850nm

Für Sportler und aktive Menschen, die Muskelregeneration und Leistungssteigerung anstreben, ist 850nm die effektivere Wellenlänge. Die Eindringtiefe erlaubt eine direkte Einwirkung auf das Muskelgewebe selbst.

Gelenkschmerzen und Arthritis: 850nm mit Unterstützung von 660nm

Bei tiefliegenden Gelenkentzündungen führt 850nm aufgrund seiner Eindringtiefe. Ergänzt durch 660nm entsteht eine vollständige Behandlung von der Oberfläche bis in die Tiefe.

Wundheilung und Narbentherapie: 660nm

Frische Wunden, Narben und oberflächliche Entzündungen profitieren primär von 660nm, das direkt am Ort des Gewebeschadens wirkt.

Chronischer Schmerz und tiefe Verspannungen: 850nm

Tiefere Schmerzzustände, Nervenschmerzen und chronische Muskelverspannungen sprechen besser auf 850nm an, weil die nötige Eindringtiefe für die betroffenen Strukturen nur NIR erreicht.

Das stärkste Argument: Die Kombination aus beiden Wellenlängen

In der Praxis stellt sich die Frage "660nm oder 850nm" in den meisten Fällen gar nicht – denn die überzeugendste Antwort lautet: beide.

Die meisten qualitativ hochwertigen Rotlichttherapie-Panels kombinieren beide Wellenlängen in einem Gerät. Diese Kombination bietet mehrere Vorteile:

  • Vollständige Abdeckung aller Gewebetiefen in einer Sitzung
  • Synergistische Wirkung auf Mitochondrien in verschiedenen Schichten
  • Flexibler Einsatz für unterschiedliche Beschwerden
  • Effizienter Zeitaufwand durch eine einzige Behandlung

Die Kombination aus rotem Licht (660nm) und Nahinfrarot (850nm) gilt in der Photobiomodulations-Forschung als der aktuelle Standard für umfassende therapeutische Anwendungen. Einzelwellenlängen-Geräte werden heute vor allem in sehr spezifischen klinischen Protokollen eingesetzt.

Wenn Sie ein Panel kaufen möchten, empfiehlt sich eines, das beide Wellenlängen abdeckt. In unserem Ratgeber zum Kauf eines Rotlichttherapie-Panels finden Sie eine strukturierte Entscheidungshilfe.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Anwendungsabstand und -dauer

Die optimale Entfernung vom Panel liegt je nach Geräteleistung zwischen 5 und 30cm. Nahinfrarot benötigt aufgrund seiner tieferen Wirkung keine geringere Distanz – die Eindringtiefe ist eine Eigenschaft der Wellenlänge, nicht der Intensität. Mehr dazu in unserem Artikel über den richtigen Abstand zum Rotlichtpanel.

Zur empfohlenen Behandlungsdauer pro Sitzung lesen Sie unseren ausführlichen Artikel: Wie lange Rotlichttherapie pro Sitzung?

Sicherheit und Kontraindikationen

Beide Wellenlängen gelten bei sachgemäßer Anwendung als sehr sicher. Informieren Sie sich dennoch über mögliche Nebenwirkungen und Risiken der Rotlichttherapie, bevor Sie mit regelmäßigen Anwendungen beginnen.

Zur Frage, ob Rotlichttherapie medizinisch anerkannt ist, finden Sie eine umfassende Übersicht in unserem Artikel: Ist Rotlichttherapie medizinisch anerkannt?

Fazit: Kein Sieger, sondern ein Team

Die Frage "660nm oder 850nm" lässt sich nicht mit einem klaren Gewinner beantworten – und das ist eigentlich eine gute Nachricht. Beide Wellenlängen sind wissenschaftlich fundiert, gut untersucht und therapeutisch wirksam. Sie unterscheiden sich in ihrer Eindringtiefe und damit in ihren bevorzugten Anwendungsgebieten:

  • 660nm ist die erste Wahl für Haut, Wundheilung und oberflächliche Prozesse
  • 850nm ist die erste Wahl für Muskeln, Gelenke, Knochen und tiefere Gewebeschichten
  • Beide zusammen bieten die vollständigste und effektivste Abdeckung

Wenn Sie in ein Rotlichttherapie-Gerät investieren, wählen Sie eines, das beide Wellenlängen anbietet. So profitieren Sie von den Vorteilen des gesamten therapeutischen Fensters – von der Hautoberfläche bis in das tiefe Gewebe.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen 660nm und 850nm?
660nm ist sichtbares rotes Licht, das vor allem auf Haut und oberflächliche Gewebe wirkt. 850nm ist Nahinfrarot (NIR), das tiefer eindringt und Muskeln, Gelenke und Knochen erreicht. Beide aktivieren die Mitochondrien über Cytochrom-c-Oxidase, aber auf unterschiedlichen Gewebetiefen.
Welche Wellenlänge dringt tiefer in die Haut ein?
850nm Nahinfrarot dringt deutlich tiefer ein als 660nm rotes Licht. Während 660nm überwiegend in der Epidermis und Dermis (bis ca. 5mm) wirkt, kann 850nm Gewebe bis zu 30–40mm Tiefe erreichen und damit Muskeln, Sehnen und Gelenke beeinflussen.
Kann ich 660nm und 850nm gleichzeitig verwenden?
Ja. Die meisten hochwertigen Rotlichttherapie-Panels kombinieren beide Wellenlängen. Diese Kombination gilt als besonders effektiv, weil sie sowohl oberflächliche als auch tiefere Gewebe gleichzeitig behandelt. Viele Studien wurden mit kombinierten Protokollen durchgeführt.
Welche Wellenlänge ist besser für die Haut?
660nm ist die bevorzugte Wellenlänge für Hautanwendungen wie Anti-Aging, Wundheilung und Kollagenproduktion. Das Licht wird von Chromophoren in der Haut effizienter absorbiert und stimuliert Fibroblasten direkt in der Dermis.
Ist 850nm Nahinfrarot sichtbar?
850nm Nahinfrarot ist für das menschliche Auge nicht sichtbar oder erscheint nur als sehr schwaches, kaum wahrnehmbares Rotglimmen. Geräte, die ausschließlich mit 850nm betrieben werden, scheinen optisch fast dunkel, sind aber dennoch aktiv.
Welche Wellenlänge eignet sich besser für Muskelregeneration?
Für Muskelregeneration und Leistungssteigerung ist 850nm in der Regel effektiver, da Nahinfrarot tiefer in das Muskelgewebe eindringt. Für optimale Ergebnisse empfehlen viele Sportmediziner jedoch eine Kombination aus 660nm und 850nm.

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