Rotlichttherapie Ratgeber
Grundlagen & Wissen

Wie weit sollte man vom Rotlichtpanel entfernt stehen? Der optimale Abstand erklärt

5–20 cm für intensive Tiefenwirkung, 30–50 cm für großflächige Behandlung – der richtige Abstand zum Rotlichtpanel entscheidet über Wirkung oder Wirkungslosigkeit. Wissenschaftlich fundierter Guide.

17. Februar 2026~7 Min. Lesezeit

Du stehst vor deinem Rotlichtpanel – aber wie weit weg sollst du eigentlich sein? Diese Frage klingt simpel, ist aber entscheidend für deine Ergebnisse. Der falsche Abstand kann deine Therapie wirkungslos machen oder im schlimmsten Fall kontraproduktiv sein. Die gute Nachricht: Es gibt klare, wissenschaftlich fundierte Richtlinien.

Die schnelle Antwort: 5–50 cm je nach Anwendung

Der optimale Abstand liegt bei 5–20 cm für intensive lokale Behandlungen und 20–50 cm für großflächige oder oberflächliche Anwendungen.

Als Faustregel gilt: Je tiefer das Zielgewebe, desto näher ran. Je großflächiger die Behandlung, desto mehr Abstand ist sinnvoll. Mit diesen Eckdaten liegst du in jedem Fall im therapeutischen Bereich.

Warum ist der Abstand so wichtig? Weil er direkt bestimmt, wie viel Lichtenergie tatsächlich auf deiner Haut ankommt. Und das ist die entscheidende Variable für therapeutische Wirkung.

Die Physik dahinter: Das quadratische Abstandsgesetz

Hier kommt die Wissenschaft ins Spiel. Licht verhält sich nach dem inversen Quadratgesetz (englisch: Inverse Square Law). Das bedeutet: Wenn du deinen Abstand zum Panel verdoppelst, sinkt die Bestrahlungsstärke auf ein Viertel des ursprünglichen Wertes – nicht auf die Hälfte.

Konkret: Dein Panel hat bei 10 cm Abstand eine Bestrahlungsstärke von 100 mW/cm².

  • Bei 20 cm Abstand: ~25 mW/cm²
  • Bei 40 cm Abstand: ~6 mW/cm²
  • Bei 80 cm Abstand: ~1,5 mW/cm²

Der Abfall ist dramatisch. Bei 80 cm bekommst du also gerade noch 1,5 % der Intensität, die du bei 10 cm erhalten würdest. Für therapeutische Effekte reicht das bei den meisten Panels schlicht nicht aus.

Studie: Hamblin & Demidova (2006) beschreiben in ihrer grundlegenden Arbeit zur Photobiomodulation, dass die effektive Lichtdosis im Gewebe maßgeblich von der Bestrahlungsstärke an der Hautoberfläche abhängt. Ein zu großer Abstand verhindert das Erreichen der notwendigen Schwellendosis für biologische Effekte selbst bei langen Sitzungszeiten.

Das inverse Quadratgesetz gilt theoretisch für Punktlichtquellen. Panels – besonders große – weichen davon im Nahbereich ab, weil sie keine Punktlichtquellen sind. Trotzdem bleibt das Prinzip entscheidend: Abstand halbieren, Intensität vervierfachen.

Die optimale Bestrahlungsstärke

Für therapeutische Photobiomodulation gilt ein Zielbereich von 20–100 mW/cm² an der Hautoberfläche. Darunter fehlt die Energie für relevante zelluläre Reaktionen. Darüber steigt das Risiko der Überdosierung.

Die meisten hochwertigen Rotlichtpanels erreichen diese Werte bei einem Abstand von 10–30 cm. Prüfe die Herstellerangaben deines Panels für genaue Werte.

Studie: Leyane et al. (2021) zeigten in einer systematischen Übersichtsarbeit zur Photobiomodulation, dass die therapeutische Wirksamkeit stark mit der Bestrahlungsstärke korreliert. Werte unter 10 mW/cm² zeigten in den meisten analysierten Studien keine konsistenten Effekte.

Praktische Abstands-Richtlinien nach Anwendungsfall

Hier sind konkrete Empfehlungen für die häufigsten Anwendungsfälle:

AnwendungsfallOptimaler AbstandBestrahlungsstärke (Ziel)Sitzungsdauer
Anti-Aging / Haut20–30 cm30–60 mW/cm²8–12 Minuten
Wundheilung10–20 cm40–80 mW/cm²10–15 Minuten
Muskelregeneration10–20 cm50–100 mW/cm²15–20 Minuten
Gelenkschmerzen5–15 cm60–100 mW/cm²15–20 Minuten
Rückenschmerzen10–20 cm50–100 mW/cm²15–20 Minuten
Allgemeines Wohlbefinden30–50 cm20–40 mW/cm²15–20 Minuten
Full-Body-Wellness30–60 cm20–50 mW/cm²15–20 Minuten

Wichtig: Diese Werte gelten als Ausgangspunkt. Die tatsächlich optimalen Abstände hängen immer von den Spezifikationen deines spezifischen Panels ab. Lies die Anleitung zur optimalen Sitzungsdauer, um Abstand und Zeit aufeinander abzustimmen.

Wie die Panelgröße den Abstand beeinflusst

Nicht alle Panels sind gleich – und das hat direkte Konsequenzen für den optimalen Abstand. Ein entscheidender, aber oft übersehener Faktor ist die Abstrahlungsfläche.

Kleine Panels (unter 30 × 30 cm)

Kleine Geräte wie Gesichtspanels oder kompakte Homecare-Geräte verhalten sich im Nahbereich fast wie Punktlichtquellen. Das bedeutet:

  • Optimaler Abstand: 5–20 cm
  • Unter 5 cm wird die Erwärmung unangenehm
  • Die gleichmäßige Ausleuchtung ist nur im Nahbereich gewährleistet

Mittelgroße Panels (30–60 cm)

Die häufigste Kategorie für Home-User. Diese Panels bieten eine gute Balance:

  • Optimaler Abstand: 10–30 cm
  • Bei 15–20 cm meist die höchste Effizienz
  • Gleichmäßige Ausleuchtung über eine moderate Körperfläche

Große Full-Body-Panels (über 60 cm)

Professionelle Full-Body-Panels für den gesamten Körper:

  • Optimaler Abstand: 20–60 cm
  • Durch die große Abstrahlungsfläche bleibt die Intensität auch bei größeren Abständen vergleichsweise hoch
  • Ermöglichen die Behandlung mehrerer Körperzonen gleichzeitig

Wenn du noch kein Panel hast und dir unsicher bist, welche Größe für dich passt, hilft unser Vergleich Klein vs. Groß: Welches Rotlichtpanel ist das Richtige? weiter.

Die häufigsten Fehler beim Abstand

Aus der Praxis kennen wir typische Fehler, die die Wirksamkeit der Rotlichttherapie deutlich reduzieren. Vermeide diese Fallstricke:

Fehler 1: Zu viel Abstand aus Bequemlichkeit

Viele stellen ihr Panel einfach irgendwo hin und setzen sich davor – oft 60–80 cm entfernt. Das wirkt komfortabel, ist aber bei den meisten Panels schlicht zu weit. Bei diesen Abständen ist die Bestrahlungsstärke zu gering für konsistente therapeutische Effekte.

Lösung: Miss den Abstand einmal korrekt aus. Ein Maßband reicht völlig. 15–25 cm fühlen sich näher an, als du denkst.

Fehler 2: Zu nah für zu lang

Das Gegenteil ist auch problematisch. Wer bei 5 cm Abstand die gleiche Zeit sitzt wie bei 30 cm, überschreitet die optimale Dosis. Die Bestrahlungsstärke ist bei 5 cm oft 25-mal höher als bei 25 cm.

Lösung: Passe die Sitzungsdauer an deinen Abstand an. Näher dran bedeutet: kürzer behandeln.

Fehler 3: Abstand nicht an den Anwendungsfall anpassen

Wer sein Panel immer auf denselben Abstand stellt, egal ob er Gesicht oder Kniegelenk behandelt, vergibt Potenzial. Tiefes Gewebe braucht mehr Intensität – also weniger Abstand.

Lösung: Nutze die Tabelle oben als Referenz und passe den Abstand für jede Körperstelle individuell an.

Fehler 4: Spezifikationen des Panels ignorieren

Herstellerangaben zur Bestrahlungsstärke sind spezifisch für das jeweilige Gerät. Ein günstiges Einsteigergerät erreicht bei 20 cm vielleicht nur 20 mW/cm², ein Qualitätspanel hingegen 80 mW/cm². Wer ohne dieses Wissen den Abstand wählt, tappt im Dunkeln.

Lösung: Schau in die technischen Daten deines Panels. Beim Kauf eines neuen Geräts findest du im Kaufguide für Rotlichttherapie-Panels alle wichtigen Qualitätsmerkmale.

Fehler 5: Kleidung und der Mythos des "Aufwärmens durch Abstand"

Manche denken, mit größerem Abstand würde das Licht "milder" und angenehmer – das stimmt zwar für die Wärmeempfindung, aber es reduziert eben auch die therapeutische Dosis dramatisch. Rotlicht muss direkt auf die Haut treffen. Kleidung blockiert es, und zu großer Abstand schwächt es zu sehr ab.

Lösung: Direkt auf die nackte Haut behandeln, korrekten Abstand einhalten. Mögliche Nebenwirkungen entstehen nicht durch Nähe, sondern durch zu lange Exposition.

Der Zusammenhang zwischen Abstand und Wellenlänge

Ein oft übersehener Punkt: Die optimale Eindringtiefe ins Gewebe hängt von der Wellenlänge ab, nicht vom Abstand. Aber der Abstand beeinflusst, wie viel von dieser Energie überhaupt die Haut erreicht.

660 nm (sichtbares Rotes Licht): Dringt bis zu etwa 5 mm in die Haut ein. Ideal für Hautoberfläche, Anti-Aging, Wundheilung. Abstand: 20–30 cm reicht.

850 nm (Nahinfrarot): Penetriert tiefer, bis 20–30 mm. Erreicht Muskeln, Sehnen, Gelenke. Braucht ausreichende Intensität an der Hautoberfläche – also tendenziell weniger Abstand (10–20 cm).

Studie: Karu (2010) beschreibt in ihrer Arbeit zu photobiologischen Grundlagen, dass die biologische Wirksamkeit von Rotlicht- und Nahinfrarotstrahlung entscheidend davon abhängt, dass ausreichend Photonen das Zielgewebe erreichen. Dies erfordert sowohl die passende Wellenlänge als auch eine ausreichende Bestrahlungsstärke an der Hautoberfläche.

Mehr zur Wirkung der verschiedenen Wellenlängen erfährst du in unserem Guide zu 660 nm vs. 850 nm – welche Wellenlänge wofür?.

Und ob du dein Panel morgens oder abends nutzen solltest, hängt übrigens kaum vom Abstand, sondern von deinen Zielen ab – dazu mehr im Artikel Morgens oder abends: Wann ist der beste Zeitpunkt für Rotlichttherapie?

Fazit: So findest du deinen optimalen Abstand

Den perfekten Abstand zu finden ist keine Raketenwissenschaft. Folge diesen drei Schritten:

1. Anwendungsziel bestimmen: Haut und Oberflächengewebe – 20–30 cm. Muskeln, Gelenke, tiefliegendes Gewebe – 5–20 cm. Allgemeines Wohlbefinden – 30–50 cm.

2. Panel-Spezifikationen prüfen: Schau dir die Bestrahlungsstärke (mW/cm²) bei verschiedenen Abständen an. Zielbereich ist 20–100 mW/cm².

3. Dauer anpassen: Je näher du stehst, desto kürzer die Sitzung. Bei sehr kleinem Abstand (5–10 cm) reichen 5–10 Minuten. Bei 30–50 cm planst du 15–20 Minuten ein.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Das inverse Quadratgesetz bestimmt, wie schnell die Intensität mit dem Abstand abnimmt
  • Zu weit weg bedeutet unwirksame Dosierung, zu nah bedeutet Überdosierung bei langer Sitzung
  • Panelgröße und Wellenlänge beeinflussen den optimalen Abstand
  • Immer direkt auf die Haut behandeln, keine Kleidung dazwischen

Mit diesem Wissen bist du bestens gerüstet, um das Beste aus deiner Rotlichttherapie herauszuholen. Abstand und Sitzungsdauer zusammen bilden die Grundlage für eine effektive, sichere Anwendung.

Häufig gestellte Fragen

Wie weit sollte ich vom Rotlichtpanel entfernt stehen?
Der optimale Abstand liegt je nach Anwendung zwischen 5 und 50 cm. Für intensive Tiefenwirkung bei Gelenken oder Muskeln empfehlen sich 5–20 cm. Für großflächige Hautanwendungen oder allgemeines Wohlbefinden sind 20–50 cm besser geeignet. Entscheidend ist, dass die Bestrahlungsstärke (mW/cm²) im therapeutischen Bereich bleibt.
Was passiert, wenn ich zu nah am Rotlichtpanel stehe?
Zu geringer Abstand führt zu einer sehr hohen Bestrahlungsstärke, die die optimale Dosis schnell überschreitet. Das kann die therapeutische Wirkung umkehren. Außerdem kann Wärmeentwicklung bei sehr kurzen Abständen unangenehm werden. Unter 5 cm Abstand ist in der Regel nicht sinnvoll.
Was passiert, wenn ich zu weit vom Rotlichtpanel entfernt bin?
Zu großer Abstand reduziert die Bestrahlungsstärke dramatisch. Das quadratische Abstandsgesetz besagt: Bei doppeltem Abstand sinkt die Intensität auf ein Viertel. Bei 1 Meter Abstand bekommst du möglicherweise nicht mehr genug Lichtenergie für therapeutische Effekte.
Verändert die Panelgröße den optimalen Abstand?
Ja, deutlich. Kleine Panels (z. B. Geräte für Gesicht oder lokale Anwendungen) entfalten ihre gleichmäßige Wirkung am besten bei 5–20 cm. Große Full-Body-Panels haben eine größere Abstrahlungsfläche und bieten auch bei 30–50 cm noch ausreichende Bestrahlungsstärke.
Muss ich den Abstand für verschiedene Körperstellen anpassen?
Ja. Für oberflächliche Hautanwendungen wie Anti-Aging reichen 20–30 cm. Für tieferliegende Gewebe wie Muskeln und Gelenke empfiehlt sich ein Abstand von 5–15 cm, damit ausreichend Infrarotlicht (850 nm) ins Gewebe eindringen kann.
Wie berechne ich, ob mein Abstand korrekt ist?
Multipliziere die Bestrahlungsstärke (mW/cm²) deines Panels bei deinem gewählten Abstand mit der Sitzungsdauer in Sekunden und teile durch 1000. Das Ergebnis in J/cm² sollte zwischen 20 und 60 liegen. Viele Hersteller geben Bestrahlungsstärken für verschiedene Abstände an.
Wie weit weg bei einem kleinen Panel wie dem Rotlicht Gesichtsgerät?
Für kleine Gesichtsgeräte oder kompakte Panels empfiehlt sich ein Abstand von 10–20 cm. Bei sehr kleinen Geräten (unter 30 cm Länge) bist du zu nah, wenn du weniger als 5 cm Abstand hältst – die Erwärmung wird dann unangenehm.

Weitere Artikel