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Photobiomodulation (PBM): Der vollständige Anfänger-Guide

Was ist Photobiomodulation (PBM), wie funktioniert sie, und was hat das mit deinem Rotlichtpanel zu Hause zu tun? Der verständliche Einstiegsguide mit Wissenschaft, Wellenlängentabelle und Praxistipps.

18. Februar 2026~13 Min. Lesezeit

Du hast von Rotlichttherapie gehört und stößt immer wieder auf den Begriff Photobiomodulation – aber was steckt dahinter, und was hat das Ganze mit dem Panel zu tun, das du dir vielleicht gerade kaufen willst? Dieser Guide erklärt alles von Grund auf: die Wissenschaft, die Geschichte, die Mechanismen und den direkten Weg von der Laborstudie zur Praxis.

Keine Vorkenntnisse nötig. Am Ende weißt du mehr über PBM als die meisten Panel-Besitzer.

Was ist Photobiomodulation? Die einfache Definition

Photobiomodulation (PBM) ist der wissenschaftliche Begriff für einen biologischen Effekt, den Licht bestimmter Wellenlängen in lebendem Gewebe auslöst.

Die drei Wortbestandteile erklären es bereits:

  • Photo – Licht
  • Bio – Leben (lebendiges Gewebe)
  • Modulation – Veränderung, Steuerung

PBM beschreibt also: Wie bestimmte Lichtfrequenzen lebendiges Gewebe verändern – und zwar nicht durch Wärme, sondern durch direkte Wechselwirkung mit Zellstrukturen auf molekularer Ebene.

Im Alltag kennen die meisten Menschen diesen Vorgang unter den Begriffen Rotlichttherapie, Red Light Therapy oder im klinischen Kontext als LLLT (Low-Level Laser Therapy). Der Begriff Photobiomodulation ist präziser und wird in der Wissenschaft bevorzugt, weil er weder auf die Lichtquelle (Laser oder LED) noch auf die Farbe (Rot oder Nahinfrarot) beschränkt ist.

Was PBM von gewöhnlichem Licht unterscheidet

Sonnenlicht und Glühbirnen strahlen ebenfalls Licht im roten Bereich ab – warum lösen sie keinen therapeutischen Effekt aus?

Zwei Faktoren machen den Unterschied:

  1. Wellenlängenpräzision: Therapeutisch wirksames Licht liegt in einem engen Fenster von 630–1000 nm. Breitspektriges Licht enthält zwar auch diese Frequenzen, aber in zu geringer Intensität und vermischt mit Wellenlängen, die oberflächlich absorbiert werden oder Wärme erzeugen.

  2. Leistungsdichte (Irradiance): Damit zelluläre Reaktionen ausgelöst werden, muss genug Energie pro Fläche ankommen – typischerweise mindestens 20–30 mW/cm². Normale Raumbeleuchtung und Sonnenlicht erreichen diese Schwelle im roten Bereich auf der Hautoberfläche nicht annähernd.

PBM-Geräte liefern Licht mit der richtigen Wellenlänge und der nötigen Intensität – das ist der entscheidende Unterschied.

Geschichte der Photobiomodulation: Von Budapest in die Klinik

Die Entdeckung von Endre Mester (1967)

Die Geschichte der PBM beginnt mit einem Forschungsunfall. Endre Mester, ein ungarischer Medizinphysiker an der Semmelweis-Universität Budapest, wollte 1967 untersuchen, ob Laserstrahlung Tumorwachstum bei Mäusen verursacht. Er rasierte den Mäusen den Rücken und bestrahlte sie mit einem schwachen Rubinlaser (694 nm).

Das Ergebnis überraschte ihn: Anstatt Krebs zu verursachen, heilten die Hautwunden der bestrahlten Mäuse signifikant schneller. Das Fell wuchs schneller nach. Das Laserlicht förderte Zellwachstum und Geweberegeneration, statt es zu schädigen.

Mester nannte diesen Effekt "laser biostimulation" und veröffentlichte seine Ergebnisse 1968. Damit legte er den Grundstein für ein Forschungsfeld, das heute über 5.000 peer-reviewed Studien umfasst.

Von der LLLT zur modernen PBM-Forschung

In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Therapie als Low-Level Laser Therapy (LLLT) bekannt – der Begriff "low-level" unterschied die schwache, nicht-thermische Bestrahlungsstärke von chirurgischen Hochleistungslasern.

Der Begriff Photobiomodulation setzte sich erst ab den 2000er Jahren durch, als die Forschungsgemeinschaft erkannte, dass der Effekt nicht spezifisch für Laser ist, sondern auch mit LEDs (Leuchtdioden) reproduzierbar ist – was die Entwicklung erschwinglicher Heimgeräte überhaupt erst ermöglichte.

Entscheidende Grundlagenforschung lieferte Dr. Tiina Karu vom Laser Technology Center Moskau, die in Jahrzehnten wissenschaftlicher Arbeit (u.a. veröffentlicht in Photochemistry and Photobiology, 1989 und 2010) den primären Wirkort auf molekularer Ebene identifizierte: das Enzym Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien.

Wie PBM wirkt: Der Mechanismus im Überblick

Das Herzstück der Photobiomodulation ist ein biochemischer Prozess, der in den Mitochondrien jeder menschlichen Körperzelle stattfindet.

Mitochondrien: Mehr als nur Kraftwerke

Mitochondrien sind für die Produktion von Adenosintriphosphat (ATP) zuständig – dem universellen Energieträger aller Zellen. ATP treibt buchstäblich jeden biologischen Prozess an: Muskelkontraktionen, Zellreparatur, Immunreaktion, Hormonproduktion.

Wenn Zellen unter Stress stehen – durch Verletzung, Entzündung, Alter oder Erkrankung – sinkt ihre ATP-Produktion. Das verlangsamt alle zellulären Reparaturprozesse. Genau hier setzt PBM an.

Cytochrom-c-Oxidase: Das lichtempfindliche Enzym

Der entscheidende Akteur ist Cytochrom-c-Oxidase (CCO), auch bekannt als Komplex IV der mitochondrialen Elektronentransportkette. CCO sitzt in der inneren Mitochondrienmembran und ist der letzte Schritt bei der ATP-Synthese.

CCO ist ein Chromophor – ein Molekül, das Licht absorbiert. Es hat Absorptionsmaxima genau im roten und nahinfraroten Bereich. Das ist kein Zufall: Es ist der biologische Grund, warum PBM nur mit diesen Wellenlängen funktioniert.

Grundlagenforschung: Karu und Kolyakov (2005) in IEEE Journal of Selected Topics in Quantum Electronics identifizierten vier spezifische Absorptionsmaxima von CCO: bei 620 nm, 680 nm, 760 nm und 820 nm. Diese Peaks erklären, warum Wellenlängen rund um 660 nm und 850 nm in der Praxis besonders wirksam sind.

Die molekulare Kaskade: Schritt für Schritt

Wenn Photonen aus dem roten oder nahinfraroten Bereich auf CCO treffen, läuft folgende Kaskade ab:

  1. CCO-Aktivierung: Unter normalen Bedingungen wird CCO häufig durch Stickstoffmonoxid (NO) blockiert, das an das Enzym gebunden ist. Das einfallende Licht löst dieses blockierende NO-Molekül.

  2. Erhöhte ATP-Produktion: Mit wieder aktiver CCO läuft die Elektronentransportkette schneller. Die ATP-Synthese steigt messbar an.

  3. Vasodilatation durch NO: Das freigesetzte Stickstoffmonoxid ist ein starker Gefäßerweiterer. Es verbessert die lokale Durchblutung und Sauerstoffversorgung im behandelten Gewebe.

  4. Moderater ROS-Anstieg als Signal: Kurzzeitig steigen reaktive Sauerstoffspezies (ROS) leicht an. In geringen Mengen fungieren ROS als Signalmoleküle, die zelluläre Schutz- und Reparaturprogramme aktivieren – ein Beispiel für das Hormesis-Prinzip.

  5. Genexpression: Veränderte intrazelluläre Bedingungen aktivieren Transkriptionsfaktoren wie NF-kB, die Gene für Entzündungsreduktion, Wachstum und Gewebereparatur anschalten.

Das Ergebnis in einfachen Worten: Zellen haben mehr Energie, die Durchblutung verbessert sich, Entzündungsprozesse werden moduliert, und Reparaturprogramme laufen effizienter.

Das elektromagnetische Spektrum und das therapeutische Fenster

Nicht jede Lichtwellenlänge löst PBM-Effekte aus. Das wirksame Spektrum liegt in einem engen Bereich – dem sogenannten therapeutischen Fenster oder optischen Fenster.

Warum das therapeutische Fenster bei 630–1000 nm liegt

  • Unterhalb von 630 nm (sichtbares Blau, Grün) wird Licht stark von Melanin, Hämoglobin und anderen Chromophoren in den oberen Hautschichten absorbiert. Es dringt kaum tief genug ein, um Mitochondrien zu erreichen.

  • Oberhalb von 1000 nm (mittleres und fernes Infrarot) wird Licht intensiv von Wasser in den Zellen absorbiert und in Wärme umgewandelt – bevor es biologisch relevante Strukturen wie CCO erreichen kann.

  • Im therapeutischen Fenster (630–1000 nm) kann Licht Gewebe durchdringen, von CCO absorbiert werden und die beschriebene Kaskade auslösen, ohne primär Wärme zu erzeugen.

Wellenlängenvergleich: Rot vs. Nahinfrarot

WellenlängeSpektrumbereichEindringtiefePrimäres ZielgewebeTypische Anwendungen
630–660 nmSichtbares Rot1–5 mmEpidermis, Dermis, KapillarenHautpflege, Anti-Aging, Wundheilung, Akne
800–860 nmNahinfrarot (NIR)20–40 mmMuskeln, Sehnen, Gelenke, NervenMuskelregeneration, Gelenkschmerz, Entzündung
900–1000 nmTiefes NIRbis zu 50 mmTiefes Muskelgewebe, KnochenTiefe Gelenk- und Knochenpathologien

Studie: Hamblin et al. (2016) in Photonics & Lasers in Medicine dokumentierten die unterschiedlichen Eindringtiefen systematisch und empfahlen die Kombination von sichtbarem Rot (660 nm) und Nahinfrarot (850 nm) für umfassende therapeutische Anwendungen. Die Kombination beider Wellenlängen adressiert sowohl oberflächliche als auch tiefe Gewebestrukturen in einer einzigen Sitzung.

Einen detaillierten Vergleich der beiden Wellenlängen findest du im Artikel 660nm vs. 850nm – welche Wellenlänge ist besser?.

Klinische Anwendungsgebiete der PBM

Die Forschungsbasis zu Photobiomodulation umfasst heute Tausende Studien aus klinischen und Laborumgebungen. Hier sind die am besten belegten Indikationen:

Wundheilung

Wundheilung war das erste Anwendungsgebiet, das Endre Mester beobachtete – und es bleibt eines der robustesten.

Übersichtsarbeit: Posten et al. (2005) in Dermatologic Surgery analysierten die Studienlage zu PBM bei Wundheilung und stellten fest, dass rotes und nahinfrarotes Licht die Proliferation von Fibroblasten, Keratinozyten und Endothelzellen stimuliert – die drei Hauptzelltypen, die für die Gewebereparatur verantwortlich sind. Zudem erhöht PBM die lokale Durchblutung durch NO-vermittelte Vasodilatation.

Schmerzreduktion und Entzündungshemmung

Chronische Schmerzen und Entzündungen gehören zu den häufigsten Einsatzgebieten in der klinischen PBM-Praxis.

Systematische Übersicht: Bjordal et al. (2003) in Physical Therapy Reviews untersuchten 11 randomisierte kontrollierte Studien zur Photobiomodulation bei Gelenkarthritis. Neun der elf Studien zeigten signifikante Schmerzreduktion und verbesserte Gelenkfunktion. Die Autoren schlossen, dass NIR-PBM eine klinisch relevante Option bei Arthritis darstellt.

Der Mechanismus läuft über die NF-kB-vermittelte Hemmung proinflammatorischer Zytokine und die Reduktion von Substanz P – einem Schmerzmediator im peripheren Nervensystem.

Muskelregeneration und Sport

Dies ist das am besten untersuchte Anwendungsgebiet in der modernen PBM-Forschung, insbesondere im Leistungssport.

Meta-Analyse: Leal Junior et al. (2015) in Lasers in Medical Science analysierten 22 randomisierte kontrollierte Studien zur PBM und Muskelregeneration. Die konsistenten Ergebnisse: Nahinfrarot-Anwendungen (850 nm) verbessern Muskelkraft, Ausdauerleistung und reduzieren den sogenannten DOMS (Delayed Onset Muscle Soreness – verzögert einsetzender Muskelkater) signifikant.

Brasilianische Studie: Baroni et al. (2010) in Journal of Athletic Training zeigten, dass Sportler, die vor dem Krafttraining PBM anwendeten, 55 % weniger Muskelschmerzmarker (Kreatinkinase) im Blut aufwiesen als die Kontrollgruppe.

Hautpflege und Anti-Aging

Kollagenproduktion, Faltentiefe und Hauttextur sind gut dokumentierte Endpunkte in randomisierten Studien.

Randomisierte kontrollierte Studie: Wunsch und Matuschka (2014) in Photomedicine and Laser Surgery führten eine doppelblinde RCT mit 136 Teilnehmern durch. Die Gruppe mit 30 Sitzungen kombiniertem 633nm/830nm-Licht zeigte signifikant verbesserte Hauttextur, Rauigkeit und Kollagendichte gegenüber der Placebo-Gruppe.

Kognitive Funktion und Neurologie

Ein jüngeres, vielversprechendes Forschungsfeld ist die transkranielle PBM – Lichtanwendung zur Aktivierung neuronaler Mitochondrien.

Harvard-Pilotstudie: Naeser et al. (2016) in Photomedicine and Laser Surgery zeigten, dass transkranielle NIR-Therapie die kognitive Funktion bei Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen verbesserte. Das Team des VA Boston Healthcare System betonte den neuroprotektiven Effekt durch CCO-Aktivierung in Neuronen – dasselbe Grundprinzip wie bei der peripheren Anwendung.

Dosierung verstehen: Irradiance, Fluence und Zeit

Dosierung ist das am häufigsten missverstandene Konzept bei PBM. Drei Größen sind relevant:

Bestrahlungsstärke (Irradiance)

Gemessen in mW/cm² – die Lichtleistung, die pro Fläche auf der Haut ankommt. Diese Zahl sinkt mit zunehmendem Abstand vom Panel. Ein gutes Heimgerät liefert im empfohlenen Abstand von 15–30 cm typischerweise 30–100 mW/cm².

Energiedichte (Fluence)

Gemessen in J/cm² (Joule pro Quadratzentimeter) – die Gesamtenergie über die Sitzungsdauer. Sie berechnet sich so:

Bestrahlungsstärke (mW/cm²) × Zeit (Sekunden) ÷ 1000 = Energiedichte (J/cm²)

Der therapeutisch wirksame Bereich liegt für die meisten Anwendungen bei 20–60 J/cm².

Das Arndt-Schulz-Gesetz: Die biphasische Dosisreaktion

PBM folgt einem Prinzip, das in der Pharmakologie seit dem 19. Jahrhundert als Arndt-Schulz-Gesetz oder Hormesis bekannt ist:

  • Zu wenig Dosis: Kein messbarer Effekt. Der Aktivierungsschwellenwert für CCO wird nicht erreicht.
  • Optimale Dosis: Maximale ATP-Produktion, Entzündungsreduktion, Reparaturaktivierung.
  • Zu viel Dosis: Die Wirkung kehrt sich um. Übermäßige Stimulation hemmt die Mitochondrienfunktion.

Studie: Chung et al. (2012) in Annals of Biomedical Engineering bestätigten das biphasische Dosisverhalten in einem Review von über 40 Studien. Die Autoren zeigten, dass zelluläre Effekte bei Energiedichten von 1–10 J/cm² in Zellkulturen maximal waren, während höhere Dosen die Mitochondrienfunktion tatsächlich hemmten.

Das bedeutet praktisch: Längere Sitzungen oder mehr Geräte sind nicht automatisch besser. Die Einhaltung des therapeutischen Dosisfensters ist entscheidend.

Mehr zu optimalen Sitzungszeiten erklärt der Artikel Wie lange Rotlichttherapie pro Sitzung?.

Sicherheit und Kontraindikationen

PBM gilt bei sachgemäßer Anwendung als sehr sicher. Rotes und nahinfrarotes Licht ist nicht-ionisierende Strahlung – es hat nicht genug Energie pro Photon, um chemische Bindungen in der DNA aufzubrechen oder Mutationen auszulösen. Das unterscheidet es grundlegend von UV-Licht, Röntgenstrahlung oder Gammastrahlung.

Wichtige Sicherheitshinweise

Augenschutz ist unverzichtbar. CCO findet sich auch in den Photorezeptorzellen der Netzhaut. Direkte Bestrahlung der Augen – insbesondere mit unsichtbarem NIR-Licht – kann Netzhautschäden verursachen, ohne dass ein Schutzreflex (Blinzeln, Abwenden) ausgelöst wird, weil das Licht nicht schmerzt oder blendet. Schutzbrille bei jeder Sitzung ist Pflicht.

Photosensibilisierende Medikamente. Bestimmte Medikamente (Tetracycline, bestimmte Antidepressiva, Psoralene) erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Rücksprache mit einem Arzt ist in diesen Fällen empfehlenswert.

Direkte Bestrahlung von Tumoren. Aufgrund der zellproliferationssteigernden Effekte sollte PBM nicht direkt über bekannten Tumorgeweben angewendet werden.

Schwangerschaft. Aus Vorsichtsgründen wird die direkte Bestrahlung des Bauches in der Schwangerschaft nicht empfohlen – nicht wegen bekannter Schäden, sondern wegen fehlender Studiendaten.

Eine umfassende Übersicht zu Risiken und Kontraindikationen bietet unser Artikel Rotlichttherapie Nebenwirkungen – echte Risiken erklärt.

Von PBM zur Praxis: Was ein Heimgerät leisten muss

Jahrzehntelange Laborforschung und klinische Studien wurden ursprünglich mit Lasern durchgeführt. Heute sind Heimgeräte mit LEDs (Leuchtdioden) die zugänglichere Alternative – und die Frage ist berechtigt: Liefern LEDs dieselben Effekte wie Laser?

Die Antwort der Forschung ist eindeutig: Ja, wenn die Parameter stimmen. Das primäre Kriterium ist nicht die Lichtquelle (Laser vs. LED), sondern die Wellenlänge und die Leistungsdichte. Ein LED-Panel mit präzisen 660 nm und 850 nm, das ausreichend Irradiance liefert, erzielt dieselbe CCO-Aktivierung wie ein klinischer Laser.

Vergleichsstudie: Whelan et al. (2001), veröffentlicht in Journal of Clinical Laser Medicine & Surgery, zeigten, dass LED-Licht bei identischen Wellenlängen und Energiedosen dieselben zellbiologischen Effekte erzeugt wie Laserlicht. Die Kohärenz des Laserlichts ist für die PBM-Wirkung nicht entscheidend – Wellenlänge und Energiedichte sind die ausschlaggebenden Parameter.

Was ein gutes Heimpanel ausmacht

Für effektive Photobiomodulation zu Hause sind folgende Parameter entscheidend:

  • Wellenlänge: 660 nm (Rot) und/oder 850 nm (Nahinfrarot) – präzise, nicht "circa"
  • Leistungsdichte: Mindestens 30 mW/cm² im empfohlenen Nutzungsabstand (15–30 cm)
  • Fläche: Ausreichend groß für die Zielzone des Körpers
  • LED-Qualität: Industriestandard-Chips mit definierter Wellenlänge, kein Breitband-LED

Ein gutes Panel mit 660 nm und 850 nm, das 50–80 mW/cm² im Abstand von 20 cm liefert, erreicht in einer 10–15-minütigen Sitzung eine Energiedichte von 30–72 J/cm² – mitten im therapeutischen Fenster.

Der vollständige Leitfaden für den Kauf findest du in unserem ultimativen Kaufguide für Rotlichttherapie-Panels.

Einstieg in die Praxis: So startest du mit PBM

Du hast die Theorie verstanden – hier sind die praktischen Schritte für den Einstieg:

Schritt 1: Ziel definieren

Welches Gewebe willst du behandeln?

  • Haut, Gesicht, Haare: Schwerpunkt auf 660 nm, 10–15 Minuten, 10–20 cm Abstand
  • Muskeln, Gelenke, tiefe Schmerzen: Schwerpunkt auf 850 nm, 15–20 Minuten, 15–25 cm Abstand
  • Allgemeine Regeneration, Wohlbefinden: Kombination aus 660 nm und 850 nm, 10–15 Minuten

Schritt 2: Panel und Protokoll wählen

Ein Panel mit beiden Wellenlängen (660 nm + 850 nm) bietet die breiteste Abdeckung. Prüfe die technischen Daten auf Leistungsdichte in mW/cm², nicht nur auf Gesamt-Wattzahl.

Schritt 3: Dosierungsprotokoll einhalten

Beginne mit 5–10 Minuten pro Körperzone und steigere auf 10–20 Minuten. Behandle jede Zone nicht öfter als einmal täglich. Regelmäßigkeit (4–5 mal pro Woche) ist wichtiger als Sitzungslänge.

Schritt 4: Augenschutz tragen

Bei jeder Sitzung. Keine Ausnahme. Gute Schutzbrillenshaben eine optische Dichte (OD) von mindestens 4+ für den genutzten Wellenlängenbereich.

Schritt 5: Ergebnisse realistisch einschätzen

PBM-Effekte auf Haut und Gelenke entstehen über Wochen und Monate, nicht nach einer Sitzung. Akuteffekte (verbesserte Durchblutung, leichte Entspannung) sind sofort spürbar. Strukturelle Veränderungen (mehr Kollagen, verbesserte Gelenkfunktion) brauchen 8–12 Wochen konsistenter Anwendung.

Für spezifische Anwendungsprotokolle empfehlen sich die Vertiefungsartikel:

Fazit: PBM ist Biologie, kein Wellness-Trend

Photobiomodulation ist kein Marketing-Begriff und kein Placebo-Effekt. Es ist ein gut dokumentierter, reproduzierbarer biochemischer Mechanismus – die Aktivierung von Cytochrom-c-Oxidase durch Licht im therapeutischen Fenster von 630–1000 nm – mit direkten, messbaren Konsequenzen für die Zellfunktion.

Was Endre Mester 1967 zufällig entdeckte, versteht die Wissenschaft heute auf molekularer Ebene: Bestimmte Lichtfrequenzen aktivieren die Mitochondrien, steigern die ATP-Produktion, verbessern die Durchblutung und modulieren Entzündungsprozesse. Diese Effekte sind wellenlängenspezifisch, dosisabhängig und kumulativ bei regelmäßiger Anwendung.

Für den Alltag bedeutet das: Ein gut gewähltes Rotlichtpanel mit den richtigen Wellenlängen und ausreichender Leistungsdichte ist kein Luxusobjekt, sondern ein Werkzeug mit wissenschaftlichem Fundament. Wer die Grundregeln der Dosierung einhält und regelmäßig anwendet, nutzt dieselben Mechanismen, die in Kliniken und Forschungslabors weltweit untersucht werden.

Weiterführende Artikel:

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Photobiomodulation (PBM)?
Photobiomodulation (PBM) ist der wissenschaftliche Fachbegriff für die Wechselwirkung von Licht bestimmter Wellenlängen mit biologischem Gewebe. 'Photo' steht für Licht, 'bio' für Leben, 'modulation' für Veränderung. PBM beschreibt, wie rotes und nahinfrarotes Licht im Bereich von 630–1000 nm in Zellen absorbiert wird und dort messbare biochemische Prozesse auslöst – vor allem in den Mitochondrien.
Was ist der Unterschied zwischen PBM und Rotlichttherapie?
Rotlichttherapie ist der populäre Alltagsbegriff, Photobiomodulation (PBM) der wissenschaftliche Fachbegriff für denselben Mechanismus. Im klinischen und wissenschaftlichen Kontext wird außerdem der Begriff LLLT (Low-Level Laser Therapy) oder PBMT (Photobiomodulation Therapy) verwendet. Alle Begriffe beschreiben dasselbe Grundprinzip: die Anwendung von Licht im therapeutischen Fenster zur Aktivierung zellulärer Prozesse.
Wer hat Photobiomodulation entdeckt?
Der ungarische Medizinphysiker Endre Mester entdeckte den Effekt 1967 zufällig an der Semmelweis-Universität Budapest. Er wollte untersuchen, ob Laserlicht Krebs verursacht, und fand stattdessen das Gegenteil: Schwaches Rotlicht beschleunigte die Wundheilung bei Mäusen erheblich. Seine Pionierarbeit legte den Grundstein für ein heute über 5.000 Studien umfassendes Forschungsfeld.
Wie tief dringt Rotlicht in den Körper ein?
Das hängt stark von der Wellenlänge ab. Sichtbares rotes Licht um 660 nm dringt etwa 1–5 mm tief ein und wirkt hauptsächlich in Haut und oberflächlichem Gewebe. Nahinfrarot-Licht um 850 nm erreicht 20–40 mm Tiefe und gelangt damit in Muskeln, Sehnen und Gelenke. Tiefes Nahinfrarot im Bereich 900–1000 nm kann sogar bis zu 50 mm eindringen.
Ist Photobiomodulation sicher?
Ja, PBM gilt bei korrekter Anwendung als sicher und nebenwirkungsarm. Rotes und nahinfrarotes Licht ist nicht-ionisierend – es hat nicht genug Energie pro Photon, um DNA zu schädigen oder Zellmutationen auszulösen. Die wichtigste Sicherheitsregel ist Augenschutz: Direkte Bestrahlung der Augen sollte unbedingt vermieden werden, da CCO auch in Netzhautzellen vorhanden ist.
Welche Dosis ist bei PBM optimal?
Der therapeutisch wirksame Bereich liegt für die meisten Anwendungen bei einer Energiedichte von 20–60 Joule pro Quadratzentimeter (J/cm²). Bei einem guten Panel mit 30–100 mW/cm² im Abstand von 15–30 cm entspricht das einer Sitzungszeit von etwa 10–20 Minuten. Sowohl Unter- als auch Überdosierung reduzieren die Wirksamkeit – dieses Prinzip nennt sich biphasische Dosisreaktion oder Arndt-Schulz-Gesetz.

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